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Katherin Säuberli (42) aus Stabio TI «Ich bin die Zweitfrau

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Katherin Säuberli (42) aus Stabio TI «Ich bin die Zweitfrau. Seit 6 Jahren kämpft mein Mann um die Scheidung»

Es ist ein Problem für viele Tausend Frauen in der Schweiz: Wie Katherin Säuberli (42), die in ihrer Not sogar Bundesrätin Sommaruga eingeschaltet hat.

  • Von Antonia Sell
  

Lächelnd hält Katherin Säuberli aus Stabio TI ihren kleinen Sohn Duccio (4) in den Armen. Im Nebenzimmer arbeitet ihr Mann Ad­riano (60) in seinem Fotolabor. Eine ganz normale, glückliche Familie, so scheint es.

Seit sechs Jahren im Scheidungsverfahren

Aber in der schönen Gegenwart klafft ein Riss. Durch ihn sieht Katherin Säuberli fast täglich die hässliche Vergangenheit. Katherin ist Adrianos Zweitfrau, Duccio Adrianos Zweitkind. Der Bub darf nicht den Namen seines Vaters tragen, da dieser noch verhei­ratet ist.

Adrianos Scheidungsverfahren läuft nun schon seit schier endlosen sechs Jahren. Jahre, in ­denen seine Gefühle, vor al­lem aber die seiner Partnerin Ka­therin, Achterbahn fahren. «Manchmal will ich einfach nur noch wegrennen», sagt die 42-Jährige. Deshalb will sie jetzt eine öffentliche Diskussion über ein Tabu-Thema.

«Zweitfrauen sind für die ­Gesellschaft automatisch die Bösen. Die Erstfrauen bekommen dagegen die Opferrolle zugesprochen. Das ist wie ein ­natürlicher Reflex», sagt die ­diplomierte Musikerin.

Ist Katherin Säuberli die Böse? Sie erzählt: 2005 lernt sie den 18 Jahre älteren Adriano kennen. Da ist er seit einem Jahr offiziell von seiner Frau getrennt. 2006 leiteten Adriano und seine Noch-Frau das Scheidungsverfahren ein.

Katherin Säuberli: «Für mich war die Sache damals klar. Adriano wurde von seiner Frau verlassen, die Scheidung wurde einvernehmlich eingereicht. Ich dachte, dass alles nur noch eine Formsache ist.»

Lohnendes Geschäft für Noch-Ehefrau

Fast sechs Jahre später weiss Katherin Säuberli, dass das der grösste Irrtum ihres Lebens war: «Seine Frau findet immer wieder einen neuen Grund, das Verfahren in die Länge zu ziehen. Sie lehnt jeden Vergleich aus einem anderen fadenscheinigen Grund ab, auch wenn er von Adrianos ­Seite noch so grosszügig ist. Für seine Frau aber ist jedes Jahr, das sie länger verheiratet ist, ein Geschäft.»

Und so lief das Geschäft: «Seine Noch-Frau wohnte bis vor kurzem umsonst mit den beiden Kindern in dem Haus, das Adriano von seinen Grosseltern geerbt hat. Und dazu bekommt sie Alimente für die Kinder.»

Familie kämpft mit Geldsorgen

Vor ein paar Monaten zog die Erstfrau mit den Kindern (heute 16 und 17) in ihr Heimatland ­Mexiko. «Ohne uns vorher zu ­informieren. Das war ein riesiger Schock für Adriano», sagt Katherin. «Seither sieht er die beiden Kinder nur noch selten, das belastet ihn sehr. Auch in Mexiko wohnt sie in einer Wohnung von Adrianos Familie und zahlt keine Miete. Und das Haus hier dürfen wir auch nicht untervermieten, da sie geltend machte, dass sie dort ihr Büro hat.»

Das Fazit der Zweitfrau: «Sie schikaniert uns, wo sie nur kann. Ich habe fast das Gefühl, dass sie das alles nur macht, damit sie ­irgendwann alles erben kann. Sie lässt es sich von unserem Geld gut gehen. Wir dagegen haben seit Jahren mit Geldsorgen zu kämpfen.»

Zeitweise muss Katherin Adriano finanziell sogar unterstützen. Sie hilft ihm bei der Alimenten- und Gerichtskosten­tilgung.

«Unser Familienglück wird durch dieses ewiglange Verfahren überschattet. Immer ist alles in der Schwebe. Man hat kein Geld, um es in die eigene Zukunft zu investieren, da man die Vergangenheit seines Partners bezahlt. Es ist wie ein böser Schatten, der einen auf Schritt und Tritt begleitet.»

Auch der gemeinsame Sohn von Katherin und Adriano leidet unter der Situation. Seitdem seine Halbgeschwister in Mexiko leben, nässt der Vierjährige wieder ein. «Er vermisst sie, versteht nicht, wieso sie nicht mehr da sind und wieso sein Papa oft so traurig ist», sagt Katherin Säuberli betrübt.

Katherin Säuberli hat jetzt die Initiative Donna2 gegründet: «Ich selber habe lange gebraucht, um diese  Gefühle zuzulassen, geschweige denn sie auszusprechen. Zweitfrauen haben eine natürliche Scham und trauen sich nicht, ihre Rechte einzufordern. Wir sind Menschen zweiter Klasse. Das muss sich ändern!»

Keine Zeitlimite für Scheidungsverfahren in der Schweiz

In einem offenen Brief an SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga fordert Katherin Säuberli die Gleichstellung von Erst- und Zweitfrauen vor dem Gesetz: «Der wichtigste Punkt ist für mich die Limitierung des Scheidungs-Prozesses auf allerhöchstens zweieinhalb Jahre.

In Deutschland gibt es ein derartiges Gesetz bereits. Dort kann sich nach spätestens drei Jahren niemand mehr einer Scheidung widersetzen. So etwas muss auch in der Schweiz im Gesetz verankert werden.»

Ist es nicht der Grundfehler von Zweitfrauen, sich überhaupt mit einem nicht geschiedenen Mann einzulassen? Katherin Säuberli: «Natürlich ­haben Männer wie Adriano Altlasten. Aber andere Männer haben andere Probleme. Ich weiss, es wäre nicht gescheit wegzulaufen, auch wenn ich zeitweise an meine Grenzen komme. Man muss vernünftig bleiben.»

Katherin Säuberli wird kämpfen, für ihren Adriano und ihren Sohn: «Es muss der Zweitfrau ermöglicht werden, in einer akzeptablen Zeit den Mann zu heiraten, den sie liebt, und sich ein Leben mit ihm aufzubauen. Wieso soll dieser natürlichste Wunsch einem verwehrt bleiben, nur weil man die Zweite ist?»

Morgen: Antonella (50) hat Angst vor dem Briefkasten. Nie wieder würde sie einen Mann mit einer gescheiterten Ehe nehmen.

Brief an Bundesrätin

Katherin Säuberli wandte sich im Januar schriftlich an Bundesrätin Simonetta Sommaruga (51, SP). «Ich fordere, dass die Institutionen innerhalb vernünftiger Zeitspannen reagieren und verhindern, dass die Scheidung für Noch-Frauen ein Geschäft und für die ‹Zweiten› zur Folter wird», schrieb sie darin. Rund eine Woche später kam die Antwort aus Bern. Nicht von der Justizministerin persönlich, aber von einer Anwältin beim Bundesamt für Justiz (BJ). «Ihre Ausführungen haben mich betroffen gemacht», antwortete die Beamtin. «Eine Ungleichbehandlung in der Alimentenberechnung der ‹Erst-› und ‹Zweitfamilien› kennt das schweizerische Recht nicht», hielt die Anwältin fest. Trotzdem gab das BJ zu, dass lange Verfahren zu «unerfreu­lichen Auswirkungen für die jeweils ‹neuen› Partnerinnen und Partner und für die ‹Zweitfamilie› führen».

Gianfranco Scardamaglia è una figura attiva nel dibattito politico del Canton Ticino e coordinatore del Movimento Papageno, impegnato nei diritti dei genitori separati e dei figli. È Consigliere Comunale a Losone e interviene regolarmente su temi di giustizia e politiche familiari.

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