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Marianne Hämmerle (55) aus Villigen AG «Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen»

Da: www.blick.ch 29.2.12 (link all'associazione Donna2:  www.donna2.ch)

Marianne Hämmerle (55) aus Villigen AG «Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen»

«Wir sind nicht bereit, uns fertigmachen zu lassen», sagt Marianne Hämmerle (55). Wir – das sind die Zweitfrauen in der Schweiz. «Wir sind auch jemand, selbst wenn man nur die zweite Frau ist.»

  • Aktualisiert am 29.02.2012
 

Das Hochzeits-Bild von Marianne Hämmerle mit ihrem zweiten Mann.

- ZVG

Marianne Hämmerle (55) aus Villigen AG

- ZVG

Die Arztsekretärin aus Vil­ligen AG hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe. Seit sie mit ihrem jetzigen Mann M.* (53) zusammen ist, dreht sich ihr Leben um das ihres Mannes und seiner drei Kinder. Als sie ihn kennenlernte, lebte er in Trennung. «Seine Frau hatte ihn von einem Tag auf den andern rausgeknallt», sagt Marianne.

Immer wieder erlebt sie hautnah mit, wie die Noch-Ehefrau sich gegenüber M. durchsetzen kann. «Was von ihr kommt, wird von den Behörden immer gleich umgesetzt. Wenn wir was anbringen, werden wir erst mal hinterfragt.» Um ihren Partner zu unterstützen, begleitete sie ihn häufig zu Behördenterminen. «Immer wieder tauchten Gerüchte auf wie zum Beispiel, er sei gewalttätig.»

An einem Freitag im Jahr 2006 sollte ein Treffen mit der Schulbehörde stattfinden. Als Marianne und M. dort ankamen, war seine Frau nicht da. «Mein Partner sagte: ‹Jetzt müssen wir zur Wohnung, da stimmt was nicht.›»

Die Wohnung war leer. Keine Spur von der Noch-Ehefrau und den Kindern. Später kam raus, dass die Frau mit den Kindern nach Boston geflogen war. Dort verlor sich jede Spur. «Wir haben für viel Geld nach den Kindern gesucht, sind in die Staaten gereist. Als mein Partner merkte, dass unsere Suche zu nichts führt, brach er zusammen und musste ins Spital», erzählt Marianne.

Die nächsten Jahre sind geprägt von der Ungewissheit. M. wird in Abwesenheit von seiner Frau geschieden, sämtliche Belange der Kinder klammert der Richter jedoch aus. Die Ex-Frau wird per Haftbefehl international gesucht. Gefunden wird sie nicht. «Das war immer präsent», sagt Marianne. «Ich hatte manchmal ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Kinder hatte – und er steht da, sieht, wie es sein könnte. An Weihnachten zum Beispiel. Irgendwann sagte er mir, ich müsse kein schlechtes Gewissen haben, er geniesse das und es gebe ihm Kraft.»

Als M. ihr im Europa-Park ­einen Heiratsantrag macht, sagt sie Ja. «Wenn wir nicht geheiratet hätten, gäbe es meinen Mann vielleicht nicht mehr. Das gab ihm wieder ein Stück Zukunft, er hatte wieder eine Perspektive. Aber ich habe ihn nicht aus Mitleid geheiratet», sagt sie. «Er ist ein lieber Mensch, man kann sich auf ihn verlassen.»

Vor einem Jahr, morgens um acht Uhr, kriegt sie einen Anruf von ihrem Mann: «Du musst mich abholen. Die Kinder sind zurück!» Fünf Jahre lang waren die drei mit ihrer Mutter wie vom Erdboden verschluckt, untergetaucht in Houston (Texas/USA). Seit sie wieder in der Schweiz sind, erleben die Hämmerles ein juristisches Hickhack. Die Haftbefehle gegen die Ex-Frau von M. werden kassiert, die Kinder in eine Pflegefamilie platziert. Erst ein halbes Jahr später spricht das Gericht Brugg AG dem Vater das Obhutsrecht zu. Seither wohnen die drei in Villigen.

Doch die Beziehung zu den Kindern ist angespannt. «Es ist schwierig, wenn man spürt, dass Kinder das nicht wollen. Sie wollen zum Mami, dort gehe es ­ihnen gut, hier gehe es ihnen nicht gut. Oder sie sagen, ich putze nicht gut. Ich weiss schon, das kommt nicht von ihnen.»

Bei der Staatsanwaltschaft läuft die Verhandlung wegen Kindsentführung. Ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht. Auch das Sorgerecht könnte wieder der Ex-Frau zugesprochen werden.

«Zukunftspläne kann man gar nicht machen», sagt Marianne. «Ich bin auch traurig wegen der Kinder. Mein Verständnis für die ersten Frauen wird immer kleiner. Ich muss mich schämen für das, was die machen. Sie nehmen einen Mann aus, bis er nicht mehr kann.»

Das Leben als Zweitfrau verlangt Marianne viel ab. Aber verbittert will sie nicht sein. «Ich bin immer positiv», sagt sie. «Ich staune einfach über meinen Mann. Mit welcher unglaublichen Stärke er das alles irgendwie wegsteckt. Aber wenn man tiefergeht, ist doch eine grosse Verzweiflung da, die rausmuss. Und wo lässt er sie dann ab? Bei mir, weil ich halt da bin. Ich hab ihm auch schon gesagt: Jetzt sei mal auf die andere wütend, die hat dir das Ganze eingebrockt, nicht ich.»

*Name der Redaktion bekannt

 

 

Gianfranco Scardamaglia è una figura attiva nel dibattito politico del Canton Ticino e coordinatore del Movimento Papageno, impegnato nei diritti dei genitori separati e dei figli. È Consigliere Comunale a Losone e interviene regolarmente su temi di giustizia e politiche familiari.

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