Da: www.blick.ch 29.2.12 (link all'associazione Donna2: www.donna2.ch)
Mit dabei: Vitor S. (43), geschieden, drei Kinder (21, 14, 13). «Als ich mich auf ihn einliess, habe ich nicht gewusst, was mich erwartet», sagt Franziska. «Man kann sich schon fragen: Warum mache ich das alles? Ich müsste das doch gar nicht, das hat mit mir und meinem Leben gar nichts zu tun.»
Trotzdem ist Franziska seit bald zwei Jahren mit Vitor zusammen. Hautnah erlebt sie mit, was er seit seiner Scheidung mitmachen muss.
Nachdem Vitor zwei Jahre lang das alleinige Sorgerecht hatte und die Kinder bei ihm wohnten, wurden sie von einem anderen Richter wieder seiner Ex-Frau zugesprochen.
Seither hat der Vater nicht mehr viel zu sagen. «Vitor darf die Zeugnisse seiner Kinder nicht sehen, wird als Vater einfach nicht ernst genommen», erzählt Franziska. «An den Besuchswochenenden ist die Stimmung verkrampft. Die ganze Zeit ruft die Ex-Frau sie auf dem Handy an. Wir waren ständigen Attacken ausgesetzt, deren Ziel war, uns auseinander zu bringen. Wenn wir mit der Beiständin darüber redeten, wurden wir überhaupt nicht ernst genommen. Das sind alles so Sachen, mit der Zeit zählt sich das zusammen. Als Partnerin erlebt man so viel Ungerechtigkeiten, Frustration. Man ist wie ausgeliefert. Ich habe nie gedacht, dass das möglich ist.»
Gerade in der Anfangsphase erschwert die konstante Belastung die Beziehung. «Er sagte mir, ich solle aufpassen, was ich mache, weil die Kinder alles immer sofort seiner Ex erzählen. Das ist Stress! Ich bin es nicht gewohnt, dass ich in meinen eigenen vier Wänden keine Schwäche zeigen darf. Da hatten wir häufig Streit, wo ich sagte: Ich will mich doch nicht anpassen, Herrgott noch mal! Das ist Tyrannei in meinem eigenen Haus.»
Im Herbst 2009 standen die ersten gemeinsamen Ferien an. Erst einen Tag vor der Abreise stand fest, dass Vitors Kinder mitreisen durften. «Wir hatten wunderschöne Ferien», sagt Franziska. «Aber ich war sehr belastet wegen der Situation mit den Kindern. Man merkt, sie haben eine andere Erziehung. Da ist man ständig aufgefordert, neu abzuwägen. Wir hatten enorme Auseinandersetzungen.»
Dann sind da noch ihre eigenen Kinder (15, 12, 10). «Die Situation betrifft auch immer mehr meine Seite, meine Familie. Meine Kinder sind enttäuscht, wenn etwas nicht klappt. Und sie erleben die Trauer der Kinder Vitors, die eigentlich gerne bei uns sind und das nicht dürfen.»
Der Küchentisch ist bereits fürs Zmittag gedeckt. Überall hängen Fotos von den Kindern. «Wenns mir gut geht, kann ich das alles ganz gut wegstecken», sagt Franziska. «Aber grad wenn was passiert – und es passiert ja ständig wieder etwas –, dann müssen wir gut schauen, wie stark gehen wir überhaupt drauf ein, wie wir dem Gewicht geben. Man muss einfach ganz viel abstreichen von dem, was einen normal dünkt. Wie man mit Menschen umgeht oder was Recht ist. Mit Recht und Gesetz kommt man nicht durch. Manchmal merken wir, jetzt haben wir wieder zu viel darüber geredet, jetzt müssen wir nur still sein.»
Wie es mit der Familiensituation weitergeht, ist unklar. Besonders für Vitor: «Ich kann keine Zukunftspläne machen, bis meine Kinder mal erwachsen sind und meine Ex-Frau dadurch keine Machtposition mehr hat. Man darf nichts tun, keine Bewegung machen, ohne dass nicht die andere Seite das wieder benutzt, um einen ans Bein zu ginggen.»
Franziska ergänzt: «Es gab auch Phasen, wo ich dachte, ich will mit all dem nichts mehr zu tun haben. Es ist einfach ständig präsent.» Aufgeben kommt für die beiden nicht in Frage. «Ich merke, dass unsere Beziehung gewachsen ist», sagt Franziska. «Was sich herauskristallisiert hat, ist eben schon der Wert zum Weitermachen. Und ich habe seine Kinder wahnsinnig gern, sie liegen mir sehr am Herzen und ich bin deswegen auch viel traurig.»
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